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Kommunikation

Kommunikation, die ankommt:
Ein Blick auf situatives Verhalten mit dem DISG-Modell

Wie erreicht Kommunikation Menschen und wie kann sie Organisationen stärken? Das DISG-Modell bietet einen praxistauglichen Rahmen für typgerechte, situative Ansprache.

Situative Kommunikation in Organisationen

“Man kann nicht nicht kommunizieren!” -  Paul Watzlawick

Ob im Job, im Team oder im privaten Alltag: Kommunikation ist der Schlüssel zu gelingenden Beziehungen. Sie ist aber noch viel mehr als das: Sie ist ein zentrales Steuerungsinstrument, das Kultur formt, Vertrauen schafft und Veränderung ermöglicht. Doch obwohl wir tagtäglich kommunizieren, verfehlen unsere Botschaften nicht selten ihr Ziel – nicht, weil wir schlechte Kommunikator:innen sind, sondern weil wir vergessen oder unberücksichtigt lassen, wer vor uns sitzt. Situative Kommunikation bedeutet, den Kommunikationsstil flexibel an die Persönlichkeit und das Verhalten unseres Gegenübers anzupassen. Dabei ist der Einsatz von Persönlichkeitsanalysen eine hilfreiche Möglichkeit, um Kommunikationsprozesse typgerecht zu gestalten und somit die Wirksamkeit in Teams, Führung und Change-Prozessen zu steigern. Der DISG-Ansatz ist eines derartiger pragmatischen Werkzeuge, das dabei hilft, unterschiedliche Verhaltenspräferenzen zu erkennen und das Bewusstsein für situative Kommunikation zu erhöhen.

 

Was ist das DISG-Modell?

Das DISG-Modell basiert auf dem Persönlichkeitsmodell zur Beschreibung menschlichen Verhaltens nach dem Psychologen John G. Geier. Dabei beschreibt es vier grundlegende Verhaltenstendenzen, die in unterschiedlicher Ausprägung in jedem Menschen – und somit auch in jeder Organisation zu finden sind:

D - Dominant

I - Initiativ

S - Stetig

G - Gewissenhaft

Das Modell soll Menschen dabei helfen, sich selbst bzw. das eigene Verhalten besser zu verstehen und die Kommunikation und Zusammenarbeit mit anderen zu optimieren. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass diese Verhaltenstendenzen keine starren Schubladen sind, sondern Orientierung bieten, wie Menschen ticken, was sie antreibt – und wie sie am besten angesprochen werden. Gerade in Transformationsprozessen, bei Feedbackgesprächen oder im Konfliktmanagement kann DISG als wertvolle Grundlage für situativ wirksame Kommunikation dienen.

 

Die vier DISG-Persönlichkeitstypen im organisationalen Kontext

Nicht nur in unserem persönlichen Alltag, sondern auch im beruflichen Kontext begegnen wir täglich unterschiedlichsten Persönlichkeiten und Verhaltensweisen, die den Umgang miteinander und die Zusammenarbeit prägen. Ein besseres Verständnis dieser Verhaltensmuster ermöglicht es uns, im Arbeitsalltag unsere Kommunikation auf die individuellen Bedürfnisse und Präferenzen unserer Kolleg:innen oder Kund:innen abzustimmen und diese Unterschiede konstruktiv zu nutzen.

Dominant (D): Ziel- und ergebnisorientiert

So könnte man den dominanten Persönlichkeitstyp in Organisationen erleben
Fokus auf Effizienz, Geschwindigkeit, Verantwortung.

Nutzen für Organisationen: Dominante Typen agieren zielorientiert, entscheiden schnell und übernehmen gerne Verantwortung. Dadurch treiben sie Projekte, Entscheidungen und Veränderungen entschlossen voran – besonders in Phasen, in denen Tempo und Klarheit gefragt wird.

Wir können effektiv mit dem dominanten Persönlichkeitstyp kommunizieren, wenn ...

  • … die Kommunikation direkt, knapp und lösungsorientiert erfolgt.
  • … Entscheidungsfreiheit, Kompetenzen und Handlungsspielräume betont werden.
  • … Rückmeldungen sachlich und ergebnisfokussiert sind.

 

Initiativ (I): Begeisternd und beziehungsorientiert

So könnte man den initiativen Persönlichkeitstyp in Organisationen erleben: Kreativ, impulsgebend, netzwerkstark.

Nutzen für Organisationen: Initiativ geprägte Personen sind begeisterungsfähig und bringen gerne neue Ideen ein. Sie suchen Austausch, Anerkennung und ein Umfeld, das Freiraum für Kreativität bietet. Dadurch fördern sie Energie, Beteiligung und Veränderungsbereitschaft in Organisationen – sofern sie sich gehört und eingebunden fühlen.

Wir können effektiv mit dem initiativen Persönlichkeitstyp kommunizieren, wenn ...

  • … Raum für Dialog, Spontanität und Begeisterung besteht.
  • … Visionen, Ideen und soziale Verbindungen betont werden.
  • … Kommunikation emotional anschlussfähig und persönlich ist.

     

Stetig (S): Teamorientiert und verlässlich

So könnte man den stetigen Persönlichkeitstyp in Organisationen erleben: Geduld, Loyalität, Stabilität, Harmoniebedürfnis.

Nutzen für Organisationen: Stetige Typen sind verlässlich, geduldig und teamorientiert. Veränderungen begegnen sie eher zurückhaltend, schätzen klare Strukturen und stabile Beziehungen. Dadurch sichern sie Nachhaltigkeit, Zusammenhalt und Prozessstabilität – besonders in Phasen, in den Kontinuität und Teamgeist gefragt ist. 

Wir können effektiv mit dem stetigen Persönlichkeitstyp kommunizieren, wenn ...

  • … Sicherheit, Struktur und Kooperation im Mittelpunkt stehen.
  • … Veränderungen behutsam erklärt und begleitet werden.
  • … Zeit für Reflexion und Beteiligung eingeplant ist.

     

Gewissenhaft (G): Strukturiert und qualitätsbewusst

So könnte man den gewissenhaften Persönlichkeitstypen in Organisationen erleben:  Analytisch, regelorientiert, faktengetrieben.

Nutzen für Organisationen: Gewissenhafte Personen arbeiten strukturiert und detailorientiert. Sie legen großen Wert auf Präzision und genaue Abläufe. Dadurch sichern sie Qualität, Prozessklarheit und Risikobewusstsein – sie möchten verstehen, wie etwas funktioniert, was besonders in komplexen Umfeldern wertvoll ist. 

Wir können effektiv mit dem gewissenhaften Persönlichkeitstyp kommunizieren, wenn ...

  • … Präzision, Logik und Argumente im Vordergrund stehen.
  • … Strukturen, Rahmenbedingungen und Daten berücksichtigt werden.
  • … Entscheidungen fundiert, sachlich und gut vorbereitet sind.

 

Mögliche Praxisfelder des DISG

  • Führungskräfteentwicklung:

Durch DISG können Führungskräfte ihr Kommunikationsverhalten bewusst differenzieren – und damit Mitarbeitende typgerecht fordern, fördern und halten.

  • Change-Kommunikation:

Veränderungsprozesse stoßen auf unterschiedliche Reaktionen – DISG ermöglicht es, gezielt auf Ängste, Widerstände oder Dynamiken einzugehen und Menschen entsprechend ihrer Persönlichkeit mitzunehmen.

  • Teamdiagnostik und -begleitung:

In Teams hilft das Modell, typische Kommunikationsmuster zu erkennen, Konflikte zu entschärfen und Rollen klarer zu definieren – auf Basis gegenseitigen Verständnisses.

 

Was das für Organisationen bedeutet

Das DISG-Modell stellt ein unterstützendes Werkzeug dar, das ein Bewusstsein für unterschiedliche Persönlichkeitstypen schafft und die Notwendigkeit situativer Kommunikationspraxis betont. Es unterstützt eine Kultur, in der Unterschiedlichkeit nicht als Störung, sondern als Ressource verstanden wird. Wenn Führungskräfte, Teams und Projektleitungen die Fähigkeit entwickeln, sich situativ auf ihr Gegenüber einzustellen, entstehen nicht nur effektivere Kommunikationsprozesse – es entsteht ein Umfeld, in dem sich Menschen gesehen, verstanden und ernst genommen fühlen. Das stärkt nicht nur Vertrauen und Zusammenarbeit, sondern auch Motivation, Verantwortungsbereitschaft und langfristige Bindung – zentrale Erfolgsfaktoren für gesunde Arbeitsbeziehungen und wirksame Zusammenarbeit.

 

Unsere abschließenden Gedanken 

Menschen fühlen sich verstanden, wenn du ihre Sprache sprichst – im übertragenen wie im wörtlichen Sinn. Dabei wirst du selbst wirksamer, klarer und erfolgreicher, wenn du deine Botschaften passgenau platzierst. Modelle wie DISG liefern dafür eine fundierte, praxisnahe Orientierung, um Kommunikation bewusster, differenzierter und wirksamer zu gestalten. Gleichzeitig gilt: Modelle bleiben Modelle und bieten keine abschließende Wahrheit über den Menschen, aber sie vereinfachen die komplexe Realität, um Muster sichtbar zu machen und Reflexion anzuregen. Gerade deshalb ist bei der Anwendung solcher Modelle Sensibilisierung und Vorsicht geboten: Wer Menschen auf modellhafte Typen reduziert, läuft Gefahr, Zuschreibungen zu verfestigen, statt Entwicklung zu ermöglichen. Wenn also Komplexität und Entwicklungspotenzial zugelassen werden, können Modelle wie das DISG wertvolle Impulse geben – als Türöffner für bewusstere Kommunikation und stärkere Zusammenarbeit. In der Organisationsentwicklung bedeutet das: Nicht „one-size-fits-all“, sondern situative Passung – zwischen Persönlichkeit, Kontext und Botschaft.

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